Sonntag, 17. August 2014

Interview mit Emma S. Rose

Die sympathische Autorin Emma S. Rose habe ich vor kurzem kennengelernt ohne zu wissen das sie Autorin ist, nun hab ich mir heute Nacht ihren Debütroman "Lina - Hoffnung auf Leben" zu Gemüte geführt.
Bei neuen Autoren gehe ich immer ohne große Erwartungen ran.
Aber hier hat sich ein echtes Sahneschnittchen herauskristallisiert.
Ihren Roman find ich einfach unglaublich gut.
Und deshalb möchte ich Euch die Autorin hier etwas näher bringen.



Biografie:
Geboren und aufgewachsen ist Emma S. Rose im schönen Ostwestfalen. Im Mai 2014 verwirklichte sie ihren langgehegten Traum und veröffentlichte ihren Debutroman "Lina - Hoffnung auf Leben". Seitdem schreibt sie fleißig an neuen Werken.
Sie hat zuerst Soziale Arbeit studiert und auch in dem Bereich gearbeitet, hat sich mittlerweile aber beruflich umorientiert und studiert Deutsche Literaturen und Medienwissenschaften. Neben dem Schreiben ist sie im Korrektorat/Lektorat tätig.
Sie lebt mit ihrem Lebensgefährten im schönen Paderborn.



Hallo liebe Susi. Ich freue mich sehr, dass ich mich Deinen Fragen stellen darf! Ich mag Deinen Blog und freue mich, nun auch dort vertreten zu sein! :)

1. Wie und Wann hast Du das Schreiben für dich entdeckt?
Das „Wann“ ist eigentlich eine einfache Frage. Ich schreibe schon Geschichten, seitdem ich dazu in der Lage bin. Genaugenommen habe ich schon Geschichten ersponnen, als ich noch nicht richtig schreiben konnte; damals mussten grausam schlechte Zeichnungen in Comicform herhalten! :) Im Alter von zwölf Jahren vollendete ich dann mein erstes Manuskript, das ich sogar verwegen an einen Verlag schickte. Natürlich ohne Erfolg. Es handelt sich dabei um ein ziemlich aktuelles Thema; Mobbing und die erste große Liebe. Irgendwann werde ich die Geschichte überarbeiten und veröffentlichen!
Das „Wie“ – hm. Ich habe schon immer gerne gelesen und hatte auch immer schon eine rege Fantasie – meinen Eltern sei Dank, denn diese haben mich schon früh zum Lesen animiert. Es war irgendwie eine Selbstverständlichkeit für mich, selber zu schreiben. Es hat mich so sehr fasziniert, Welten mit Worten zu erschaffen, das musste ich einfach auch machen!

2. Dein erstes Buch umfasst ein sehr schwieriges und verschwiegenes Thema.
Warum hast Du dich gerade dafür entschieden?

Das ist eine schwierige Frage, die ich bei den meisten meiner Geschichten nicht einfach so beantworten kann. In der Regel kommen die Geschichten mir einfach so zugeflogen – und bleiben. So war es auch mit Lina. Irgendwann spukte sie in meinem Kopf herum. Dann kam Eric dazu und die beiden verselbstständigten sich. Ich musste einfach nur noch zu Blatt bringen, was mein Köpfchen ersponn. Manchmal träume ich Storys, manchmal kommen sie mir in den komischsten Situationen (beim Stallmisten zum Beispiel). Und manchmal sind sie einfach da.
Ich denke, ich habe viel Inspiration durch meine Arbeit als Sozialarbeiterin bekommen, denn ich hatte viel mit betroffenen Menschen zu tun. Zudem ist sexuelle Übergriffigkeit leider auch in meinem Freundeskreis nicht unbekannt. Ich finde einfach, dass bestimmte Themen zu wenig Beachtung in der heutigen Gesellschaft finden – und sexueller Missbrauch in der Familie gehört dazu. Es ist mir ein Anliegen, solche Themen offen zu machen!

3. Lina und Eric haben mich sehr berührt,  ich fand es interessant zu beobachten, wie die beiden sich weiterentwickelt haben.
Wie betrachtest du die beiden?

Eine schöne Frage :) Zunächst einmal freut es mich sehr, dass Lina und Eric Dich berührt haben, denn ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Beiden mir verdammt wichtig sind. Lina – ihre Geschichte liegt mir am Herzen. Sie wurde mit viel Herzblut geschrieben und ich komme auch nur schwer von den Beiden weg. Ich kann nicht sagen, wie viele Stunden ich nachts wach lag und mich mit ihnen beschäftigt habe. Es wurde fast zum Selbstläufer. Dialoge, Situationen, bis weit in die Zukunft. Wenn ich wollte, ich könnte ihr gesamtes (gemeinsames) Leben niederschreiben.
Ich finde, dass Lina vielschichtig und interessant ist und auch wesentlich stärker, als sie selber es manchmal glaubt. In ihr steckt sehr viel und sie braucht einfach nur Zeit und Vertrauen, um sich und ihre Möglichkeiten kennenzulernen und auszuschöpfen.
Und Eric? Ich finde, er kommt einem Traummann schon recht nahe. Dennoch ist er nicht perfekt. Perfekt wäre ja auch langweilig, nicht wahr?
Manchmal erhalte ich die Kritik, dass die Geschichte zu klischeehaft wäre; erst müsse ein hübscher Junge kommen, der die arme, arme gefangene Prinzessin errettet. Aber ganz ehrlich – ich wünsche jeder Lina auf der Welt einen Eric: jemanden, der dabei hilft, dieser Situation zu entfliehen. Viele Betroffene haben einfach nicht die Kraft, sich alleine zu lösen und auch wenn es kaum zu glauben ist – Schicksale wie Lina gibt es häufiger, als man denkt.

Ich kann euch versprechen: Die Geschichte der beiden ist noch nicht zu Ende erzählt. Es gibt noch einiges, worüber ich schreiben kann – und ich bin auch schon dabei. Mich von den Beiden zu verabschieden kommt einfach noch nicht in Frage!

4. Wie genau recherchiert man bei diesem Thema und wieviel Zeit nimmt das in Anspruch?
Also gerade bei diesem Thema ist es natürlich sehr schwer, so zu recherchieren, dass es realitätsnah ist. Ich will auf gar keinen Fall, dass Betroffene das Buch lesen und empört sind; genauso sehr möchte ich, dass Nicht-Betroffenen die Augen geöffnet werden.
Vieles hat sich in meiner Arbeit ergeben, in der Suchthilfe hat man mit einigen Frauen zu tun, die Missbrauch erlitten haben oder sogar noch erleiden. Man muss gut zuhören. Ich bin ein extrem empathischer Mensch. Das hat seine Nachteile (ich leide viel mit), aber auch seine Vorteile, denn so kann ich die Empfindungen meines Gegenübers aufnehmen, nachempfinden und dann wiedergeben. Ich denke, das hat mir viel geholfen.
Hinzu kamen Gespräche mit einer Freundin, die vergewaltigt wurde, und meine Fantasie. Die Stunden lassen sich nicht messen, aber ich habe vier Jahre für dieses Buch gebraucht und das soll, denke ich, schon was heißen.
Mittlerweile bin ich gereifter und ich kann mit meiner „Gabe“ dosierter und reflektierter umgehen, weshalb ich nicht mehr so lange brauche, selbst wenn ich über schlimmes schreibe. Aber egal was ist – ich lese immer größten Wert auf die Realitätsnähe. Das erfordert insbesondere bei der Fortsetzung viel Recherche. (Gericht, Polizei…)

5. Wie hast du dich gefühlt, als das Buch erschienen ist?
Es war unfassbar, unglaublich. Ich fühlte mich, als würde mein Grinsen einmal meinen Kopf umfassen, so breit war es. Gleichzeitig kamen aber auch Müdigkeit dazu und die Angst, dass Lina nicht ankommt. Beim ersten Buch ist das völlig normal, denke ich, wird vermutlich nie ganz aufhören. In jedem Fall war es irgendwie schwer realisierbar. Jahre hat man über die „Was-wäre-wenns“ nachgedacht, daran geschrieben – und dann ist es öffentlich. Einfach wow! Immerhin war es seit frühester Kindheit mein Traum, einmal selber zu veröffentlichen…
Es ist definitiv ein Gefühl, das süchtig macht und ich dränge nach mehr! Die nächste Veröffentlichung steht kurz bevor!

6. Spielen persönliche Gefühle und Erfahrungen eine Rolle wenn du schreibst?
Oder ist alles fiktiv?

Ich bin der Meinung, dass Bücher nur – oder gerade dann erst – authentisch werden, wenn etwas eigene Erfahrung mit drin steckt. Egal wie, ein Quäntchen Wahrheit sollte dabei sein. Von mir ist das definitiv jedes Mal der Fall und daran wird sich auch nichts ändern. Aber: Ich wurde niemals sexuell missbraucht. Weder in der Familie, noch sonstwie. Das möchte ich betonen!

7. Wenn du schreibst, entsteht da erst das Thema und dann die Personen?
Oder umgekehrt?

Irgendwie ist beides gleichzeitig da, das eine mehr, das andere weniger. Der Entstehungsprozess meiner Geschichten ist ja nur schwer zu beschreiben, wie ich weiter oben schon erläutert habe. Ich kann gar nicht genau bestimmen, was wann wo und wie zuerst da war, in jedem Fall entwickle ich alles erst eine ganze Weile in meinem Kopf, bevor ich es niederschreibe. Wenn ein Grundstock da ist, fange ich an zu schreiben. In der Regel weiß ich, wo es hingehen soll und in etwa den roten Faden. Ich gehöre aber nicht zu den Autoren, die sich hinsetzen und jedes Kapitel vorher minutiös planen. Ich liebe vielmehr den Zauber des Schaffensprozesses und die Tatsache, dass ich und meine Figuren immer wieder für Überraschungen sorgen können, die ich bei Beginn der Schreibeinheit nicht auf dem Schirm hatte.

8. Arbeitest du bereits an einem neuen Buch?
Oh ja. Genauer gesagt sind schon zwei soweit geschrieben und warten auf die Überarbeitung (eines liegt beim Verlag, eines gerade bei den Testlesern und erscheint spätestens Anfang Oktober im Eigenverlag). Zudem arbeite ich an der Fortsetzung von Lina und an einem anderen Buch.
JA – ich liebe Multitasking! :D Es ist einfach schön, nach Lust und Laune sagen zu können, was man gerade machen möchte.

9. Legst du dich auf ein Genre fest?
Derzeit ja; ich schreibe im Bereich Liebe/Drama/Schicksal – und das mit Leidenschaft. Aber Ausflüge in den Bereich (Psycho)Thriller und Dystopie sind definitiv geplant! :)

10. Wann kannst du am besten Schreiben und in welcher Atmosphäre?
Eigentlich kann ich immer gut schreiben, Hauptsache ich habe etwas zu schreiben dabei. Am allerliebsten sitze ich jedoch auf meinem Sofa, in meiner Ecke, eingekuschelt in meine Decke und mit Kaffee. Mein Maskottchen Eulalia guckt mir über die Schulter und (Achtung, jetzt wird es sehr übertrieben, aber nicht unrealistisch) mein Freund massiert mir motivierend die Füße. Hihi. Das ist der Idealfall! Ach ja – und ich habe einen Ordner mit Musik, extra zum Schreiben. Beispielsweise hat mich bei dem Verlagsmanuskript immer das Lied „Here with me“ von Dido begleitet.

Ich wünsche dir viel Erfolg als Autorin und ich bin sicher du hast noch Grosses vor dir.
Ich danke dir für das Interview


Vielen lieben Dank, liebe Susi! Ich danke dir für die tollen Fragen; das Interview hat mir sehr, sehr viel Freude bereitete! :)
 
Der Arbeitsplatz der Autorin

Besuchen sie die Autorin auf ihrer Website: Gedankenschloesser
und auf Facebook: Emma S. Rose

Quelle: amazon und Emma S. Rose

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen